40 Jahre Ott Orgel (2007)

 

In unserer Pfarrchronik finden sich folgende Notizen:

16.000 Mark hatte die Kirchengemeinde schon gesammelt unter Pfarrer Federschmidt. Er hatte den Bau der neuen Orgel in die Wege geleitet, nachdem den damaligen Verantwortlichen klar war, dass die alte Hofmann- Orgel, die seit 1817 ihren Dienst in St. Marien tat, nicht mehr zu restaurieren war.

Unter Pfr. Eckardt, wurden die Planungen zu Ende gebracht und am 17. Mai 1967, einem Pfingstmontag, wurde die neue Orgel, die bei Paul Ott in Auftrag gegeben worden war, unter sehr großer Anteilnahme der Gemeindeglieder ihrer Bestimmung übergeben worden.

Dazu war Dekan Professor Dr. theol. Walter Rupprecht in die Gemeinde gekommen. Er hob in seiner Predigt besonders hervor, dass die Orgel als ein Beitrag zum Pfingstfest angesehen werden müsse. Gerade die Orgel sei es, die eine Sprache spreche, die jedermann verstehe. Nach der feierlichen Weihe der Orgel durch den Dekan erklang sie dann das erste Mal im Gottesdienst. Die Klangfülle des Werkes wurde von den Gläubigen begeistert und überrascht aufgenommen.

Insgesamt kostete die Orgel 39.000 Mark und auch die restlichen 23.000 Mark wurden durch Spenden finanziert.

Das alles berichtet unsere Pfarrchronik. Dem ist ein Bild beigefügt, das die beiden Geistlichen Dekan Rupprecht und Pfr. Eckardt und den Organisten zu der Zeit, Peter Jacobi, am Spieltisch der Ott Orgel zeigt.

So ist unsere Orgel in diesem Jahr 40 Jahre alt geworden. Das ist kein rundes Jubiläum und für eine Orgel auch noch gar kein Alter. Aber wir wollen uns des runden Geburtstags erinnern und uns an ihr freuen.

Ich freue mich besonders, dass zu diesem Zweck sich zwei altgediente Orgel-Meister, die ihre Anfänge zum großen Teil an dieser Orgel hatten, haben gewinnen lassen. KMD Udo Knauer und Thomas Meyer. Udo Knauer hat seinen Sohn mitgebracht, der die Posaune spielt. Zusammen haben sie dieses Orgelkonzert ausgearbeitet. Es soll ihnen Freude machen an der Orgel, die Klangvielfalt dieses Instrumentes ausbreiten und auch ihre stilistischen Möglichkeiten aufzeigen.

Sie ist kein Instrument, das uns heute nicht mehr ansprechen könnte. Ich denke eher, dass sich auch heute bewahrheitet, was Dekan Rupprecht damals in seiner Predigt sagte: gerade die Orgel sei es, die eine Sprache spreche, die jedermann verstehe.-

Vielleicht noch ein Wort zu Paul Ott. Er hat ja einige Orgeln in das Coburger Land geliefert. Das wohl bekannteste und größte Werk dabei steht in der Heiligkreuz Kirche in Coburg.

Das folgende aus Wikipedia:

Paul Ott wurde am 23. August 1903 in Oberteuringen (das ist am Bodensee), war ein bedeutender deutscher Orgelbauer der Orgelbewegung des 20. Jahrhunderts .
Obwohl Paul Ott die Käserei seines Vaters übernehmen sollte, entschied er sich für eine Schreinerlehre . 1928/29 folgte eine Lehre bei der Orgelbaufirma Steinmeyer in Oettingen Da ihm der Aufbau einer eigenen Werkstatt finanziell nicht möglich war, war er zunächst bei der Firma Hermann Eule in Bautzen beschäftigt. 1930 fertigte er ein erstes Positiv für die Marienkirche in Göttingen, konnte aber erst 1932 die eigene Werkstatt eröffnen. Als einziger Orgelbauer, der zu dieser Zeit bereits die Prinzipien des vorromantischen Orgelbaus, wie etwa die Schleiflade , wieder berücksichtigte, konnte er bald eine Reihe wichtiger Aufträge für Kleinorgeln erhalten. Unter anderem baute er 1938 eine Hausorgel für Hugo Distler.

1937 erhielt Ott den Meisterbrief. Bald begann er mit der Restaurierung historischer Orgeln in Norddeutschland. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch, in den fünfziger Jahren, gab es auch Aufträge für größere, neue Instrumente. Der erste dreimanualige Neubau Otts war die Orgel der Christuskirche in Wolfsburg (1951).

Seine Restaurierungen werden in der Fachwelt in der Regel kritisch gesehen, seine Neubauten, auch unsere Orgel, bekommen hohes Lob. So wird unserer Orgel ein klarer Klang bescheinigt, der gut auf den Raum abgestimmt sei und eine vorzügliche handwerklich-technische Ausführung aufweise.

Am 28. Oktober 1991 ist er in Bovenden in der Nähe von Göttingen gestorben. Bis zu seinem Tod arbeitete er in seiner Werkstatt, die er 1980 seinem Sohn übergeben hatte.