Neue Glocken

Da seit den sechziger Jahren aus statischen Gründen verboten ist die große Glocke zu läuten, und sie seitdem nur an Ostern und zur Jahreswende zu hören ist, ist unter den Gemeindegliedern ein wichtiges Anliegen die Glocke wieder zum Klingen zu bringen.

Ein statisches Gutachten aus dem Jahr 1993 von Herrn Hummel, Coburg, empfiehlt eine Generalsanierung der Kirche durch Zug- und Ringanker, eine Sanierung des Dachstuhles und schlägt eine neue Lösung für die Aufhängung der Glocken vor, um weitere statische Schäden am Gebäude zu vermeiden. Ein Gutachten des Glockensachverständigen K. Schrems aus dem gleichen Jahr stellt Schäden der Stahlgussglocken aus dem Jahr 1921 fest und empfiehlt, um Gefahr abzuwenden, ein neues Bronzegeläute.

1995 beschließt der Kirchenvorstand die statische Sicherung der Kirche und die Anschaffung eines neuen Bronzegeläutes mit der Erneuerung der Läuteanlage. Ab diesem Zeitpunkt bittet er um Spenden aus der Gemeinde.
Der Einberg – Kreis beginnt seine Ausstellungstätigkeit um Spenden für die Glocken zu sammeln. Vereine und Einzelpersönlichkeiten unterstützen den Spendenfond. Eine große Bereitschaft sich für die Anschaffung der Glocken zu engagieren ist zu spüren.

Die Gesamtmaßnahme beläuft sich in der Summe auf 403.774.82 DM, davon die Kosten der Glocken mit Glockenstuhl und Läuteanlage auf 108.000 DM

Gegossen werden die Ewigkeits- die Gebets – und die Taufglocke bei der Glockengießerei Bachert in Heilbronn am 22. Mai 1998 und die Christusglocke am 12. Juni 1998 in Friedrichshall, bei Heilbronn dem alten Betrieb der Firma Bachert. Die Teilnehmer an den beiden Glockenguß – Fahrten sind sich bewusst etwas besonderes erlebt zu haben. Viele erzählen daheim sichtlich beeindruckt.

Hier ein Zeitungsbericht aus dem Coburger Tageblatt vom 25. November 1998

Delegation der Kirchengemeinde St. Marien beim Glockengießen in Heilbronn

RÖDENTAL. Als das rotglühende, flüssige Metall aus dem großen Behälter in dünnem Strahl in die erste Form lief, wurde es in der Halle ganz still. Staunend und andächtig schauten die Besucher aus der evangelischen Kirchengemeinde St. Marien im Werk der Firma Bachert in Heilbronn am Freitag nachmittag zwischen meterhoch aufgetürmten Zinnbarren zu, wie die drei neuen Glocken ihres Gotteshauses gegossen wurden. „Die Formen haben gehalten, das Metall hat ausgereicht – alles deutet daraufhin, dass wir frohen Mutes sein können“, löste erst Juniorchef Christian Bachert wenige Minuten später die Spannung. Und die Gebete und der Gesang, den Pfarrerein Magret Rucker anstimmte, klangen sehr gerührt. Und erleichtert: Es hat geklappt!

„Diese Glocken werden viele Menschen auf ihrem Weg begleiten.“ – Christian Bacherts Schlußworte klangen auf dem Weg zum Bus noch nach. Die 54 Rödentaler waren sich bewußt, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Die Ewigkeits-, Gebets- und Taufglocke werden in ihrem Leben und in dem ihrer Nachkommen eine im wahrsten Sinne des Wortes eine gewichtige Rolle spielen.

Dass im Handwerk der Glockengießer die Religion immer noch einen hohen Stellenwert hat, erfuhren die Besucher bereits vor dem Guß bei einem Besuch des Bachert-Zweigwerks in Bad Friedrichshall. Dort erklärte Armin Schulz aus dem Unternehmen, warum Glocken traditionell an einem Freitag nachmittag um 15 Uhr gegossen werden: „Zur Erinnerung an die Sterbestunde Christi.“ Und das vom Ruß des flüssigen Metalls, vom Staub und Dreck geschwärzten Kruzifix über dem Ausguß des Ofens steht natürlich auch für den, dessen Lehre die Glocken verkünden.

Auf der Fahrt nach Schwaben hatte Ernst Wohlleben mit Schillers „Glocke“ die Reisegruppe auf das große Ereignis eingestimmt. Bei Schiller ist schon viel von Schweiß und Arbeit zu hören. Wie hart das Handwerk eines Glockengießers tatsächlich auch heute noch ist und wie viel Schmutz dabei entsteht, stellten die Gäste aus Rödental schnell fest, als sie im Sonntagsstaat zentimetertief im Staub der alten Werkshalle am Rande einer Grube standen. Unter ihnen im Erdreich modellierte ein Arbeiter mit den bloßen Händen aus einer Mischung von Lehm und Pferdemist die Form einer großen Glocke. Daneben stand bereits die fast fertige Hülle für die große Einberger „Christusglocke“, die am 12. Juni gegossen wird. „Festgemauert in der Erden…“

Mit Hilfe von Werkzeug und am Beispiel der in der alten Fabrikhalle verteilten Wachs- und Tonformen erläuterte Schulz die verschiedenen Arbeitsgänge bis zum Guß der Glocke. Das traditionsreiche Handwerk wird in Deutschland heute nur noch in sieben Betrieben praktiziert – nach dem Krieg waren es noch 36. „Damals haben die Menschen große Opfer gebracht, um die eingeschmolzenen oder zerstörten Geläute ihrer Kirchen zu ersetzen.“ Heute kann laut Schulz kein Unternehmen der Branche ohne ein zweites Standbwein überleben. „Das Kilo Bronze ist heute schon für sechs Mark zu haben“, unterstrich er den Preisverfall.

Die Bronze, aus der unter anderem die Einberger Glocke gegossen wurden, besteht nach seinen Angaben aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn: „Dadurch werden sie besonders singfreudig.“ Vom mächtigen Klang, dem breiten Spektrum von Unter- und Obertönen konnte sich die Gruppe überzeugen, als Schulz eine große, fast fertige Glocke an den Kran hing. „Nicht erschrecken!“, warnte er und schlug mit einem Werkzeug gegen das geschwungene Metall – den Umstehenden stockte der Atem bei dem durchdingenden, majestätischen Ton, den deutlich spürbaren Schwingungen, die wahrhaftig durch Mark und Bein gingen.

Davon erholten sie sich schnell bei einer Kaffeepause auf den Weinbergen hoch über Heilbronn. Auf der Rückfahrt wurden bereits Pläne gemacht, wie man die neuen Glocken, die erst einmal auskühlen müssen und dann noch nachbearbeitet werden, in Rödental würdig empfängt.

Laut Andrea Roßbach vom Kirchenvorstand schmücken verschiedene Gruppen und Vereine die Glocken am 20. Juni. Einen Tag später findet dei offizielle Einholung mit einem Festzug durch den Stadtteil statt. Am Montag, 22. Juni, werden die Glocken aufgehängt, am Sonntag, 5. Juli, feierlich geweiht.

 

94 000 Mark gesammelt
Neue Glocken fast vollständig aus Spenden finanziert

RÖDENTAL. Seit vier Jahren sammelt die Kirchengemeinde St. Marien Geld für vier neue Glocken. Die bisherigen – alle 1921 aus Stahl gegossen – wurden nach Angaben von Werner Kessel vom Kirchenvorstand zu schwer für den Turm von St. Marien, statische Probleme zwangen die Gemeinde zum Handeln.

Die große Glocke war deshalb seit 15 Jahren nicht mehr zu hören; nach dem Erntedankfest 1997 wurden auch die drei kleinen stillgelegt. Sie sollen in der Glockenstube ausgestellt werden.
108 000 Mark kosten die neuen Glocken. Die evangelische Kirche zahlt zwar für die Sanierung ihrer Gotteshäuser. „Für die Glocken müssen die Gemeinden aber selbst aufkommen“, erklärt Pfarrerin Magret Rucker.

Deshalb wurden in vier Jahren bereits 94 000 Mark gesammelt, weiß Werner Kessel stolz zu berichten. Jeder gab, wie er konnte, vom Taschengeld bis zu den 1 000 Mark, die goldenen Konfirmanden schenkten. Wenn der Freistaat noch 10 000 Mark aus der Glockenstiftung beisteuert, sind die Kosten bis auf einen Restbetrag gedeckt. Die Sanierung der gesamten Kirche einschließlich der neuen klingenden Boten schlägt mit rund 390 000 Mark zu Buche.

 
 
 
 
Feierlich eingeholt werden die von verschiedenen Gruppen prächtig geschmückten Glocken unter Beteiligung der ganzen Gemeinde durch alle Ortschaften des Kirchspiels am 21 Juni 1998. Ab Ortseingang Einberg Rothenhofer St. begleiten die Kinder vom Kindergarten mit den Erzieherinnen und viele Eltern den Zug. Auf dem Kirchplatz werden sie von Kirchenvorsteherrinnen und Kirchenvorstehern der Gemeinde vorgestellt und ihre Glockensprüche erklärt. Im Beisein von Dekan Ludwig Wittmann und seiner Frau, Bürgermeister Gerhard Press und Frau, Damen und Herren des Stadtrates und Vertretern der Vereine des Kirchspiels und der Nachbargemeinden, die ernst und heiter Grußworte sprechen, gestalten der Gesangverein Einberg und Kirchenchor St. Marien gemeinsam die Feier aus.

Auf den Tag genau vor 81 Jahren wurden die große Einberger Glocke für den Krieg 1914/18 eingeschmolzen

Am 5. Juli 1998 werden die Glocken im vollbesetzten Gotteshaus in einem feierlichen Gottesdienst von Dekan Ludwig Wittmann eingeweiht und das erste Mal geläutet. Für die Weihe wird ein Lied geschrieben. Der Text stammt von Sonja Jäckel-Helm, die Melodie von Stefan Romankiewicz.

Ein großes Gemeindefest mit allen Ortsvereinen im September, dessen Erlös noch einmal den Glocken zugute kommt, schließt das Einberger Glockenjahr ab.

Christusglocke

 

Biblische Inschrift:
CHRISTUS SPRICHT: KOMMT HER, DIE IHR MÜHSELIG UND BELADEN SEID.
Mt. 11, 28
Widmung: Evangelist Matthäus
Schlagton : g’
Durchmesser: 102 cm
Gewicht: 559 kg

Ewigkeitsglocke

 

Biblische Inschrift:
WACHET! DENN IHR WISST NICHT, WANN DIE ZEIT DA IST!
Mk. 13,37
Widmung: Evangelist Markus
Schlagton: h’
Durchmesser: 83 cm
Gewicht: 321 kg

Gebetsglocke

 

Biblische Inschrift:
UNSER VATER – DEIN REICH KOMME.
Lk. 11,2
Widmung: Evangelist Lukas
Schlagton: d’’
Durchmesser: 69 cm
Gewicht: 209 kg

Taufglocke

 

Biblische Inschrift:
CHRISTUS SPRICHT: ICH BIN DAS LICHT DER WELT!
Joh. 8,12
Widmung: Evangelist Johannes
Schlagton: e’’
Durchmesser: 62,5 cm
Gewicht: 147 kg

Alle Glocken enthalten einen Eigentumsvermerk:
EVANG. – LUTH. KIRCHENGEMEINDE ST. MARIEN – EINBERG
Und das Gießerzeichen
A. BACHERT – HEILBRONN mit Glocke zwischen Firmennamen und Gießerei-Ort und zweigeteilt, links und rechts des Wappens das Gussjahr 19 – 98 .
sowie
Zwei Zierringe einen um den Hals und einen über dem Schlagring

Alte Glocken

1688: Unter dem Pfarrer Johann Friedrich Gruner kam es in diesem Jahr zu der einschneidendsten Veränderung der Kirche während ihrer ganzen Baugeschichte, zur Erhöhung der Kirche um etwa ein Drittel. Eine Neugestaltung des Turmes ist mit der Erhöhung sicher auch vorgenommen worden.

Im Gebälk der Glockenstube hingen von der Kapellenzeit her eine große und eine kleine Glocke, beide waren im Jahre 1508 von Peter Goreiß zu Hildburghausen gegossen.
Inschrift der großen Glocke: anno domini MCCCCC und im achten Jahre, osanna heiz ich, peter Goreiß zu hilpurghaußen goeß mich. Hochreliefs auf ihr: der aus dem Grabe auferstandene Christus, Maria mit dem Jesukinde, Laurentius auf dem Rost und der an den Baum gebundene von Pfeilen durchbohrte Sebastian. Sie hatte einen Durchmesser von 80 cm.
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Kirche Obermerzbach

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Die Kirche St. Michael in Obermerzbach hat die gleichen Voraussetzungen wie die Kirche St. Marien in Rödental-Einberg.
Wie in St. Marien gehörte die Kapelle St. Michael zu einem Rittergut.
Wie in St. Marien ist St. Michael in seinem ältesten Bestand romanischen Ursprungs.
Allerdings hat St. Michael keine Umbauten erfahren im Gegensatz zu St. Marien.

So kann man in St. Michael noch die Substanz der Kirche sehen, wie vielleicht auch einmal St. Marien ursprünglich ausgesehen haben könnte:

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